Rückblick von Urs

Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück auf die Rallye. Warum das weinende Auge? Weil wir die Rallye nicht wie geplant beenden konnten. Gerne hätte ich mit meinen Teamkollegen die Näherei in Syrien besucht und dort unsere Nähmaschine abgegeben. Gerne hätte ich mit eigenen Augen gesehen, wie so ein kleines, für uns schon unscheinbares Gerät, dort die Grundlage für die Versorgung einer Familie bilden kann. Gerne hätte ich Damaskus und die anderen Städte und Orte in Syrien gesehen, das Land durchquert, das von früheren Rallyeteilnehmern als beeindruckend geschildert wurde. Für dieses Erlebnis hätte ich auch die gefürchteten, langen Wartezeiten an den Grenzen auf mich genommen. Gerne hätte ich auch Jordanien mit unseren Rallyefahrzeugen durchquert, die Käserei besucht, mir vor Ort ein Bild von dem bisher geleisteten der letzten Rallyes gemacht und die Abschlussprüfung im Wadi Rum erlebt. Mit den anderen Teams eine Nacht in der Wüste, unter einem umwerfenden Sternenhimmel verbracht und die Erlebnisse der Rallye ausgetauscht.

Doch leider kam es ganz anders. Wir mussten die Fahrzeuge in der Türkei lassen und haben diese ohne großen Abschied auf dem Parkplatz bei Antalya zurück gelassen.

Irgendwie ist diese Rallye für mich nicht wirklich und richtig zu Ende.

Aber trotz der Turbulenzen auf dem Mittelmeer und dem unglücklichen Rallyeende bin ich froh dieses Abenteuer erlebt zu haben.

Und somit sind wir bei dem lachenden Auge. Es waren unvergessliche zwei Wochen und noch mehr. Alles begann mit der Vorbereitung, die zwar sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, aber schon so manche Überraschung und Spaß bereit gehalten hat. Dann die eigentliche Rallye. Wir sind über wilde Straßen gefahren, mussten Schlaglöcher umschiffen und sind dann nach einer Kurve plötzlich auf Straßen gefahren, um die uns manche Gemeinde in Deutschland beneiden würde.

Wir haben nette und hilfsbereite Menschen getroffen, sowohl in den Ländern die wir durchfahren haben, als auch aus anderen Rallyeteams. Da waren die jungen serbischen Polizisten, die uns mitten in der Nacht voraus gefahren sind, um uns wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Kurze Zeit später hat uns Nenad geholfen unseren Kombi wieder fahrtauglich zu machen. Nicht nur das er uns Teile seines Werkzeuges vermachen wollte, so wurden wir mit einem guten selbstgebrannten Slivowitz wieder fahrbereit gemacht. Er blieb so lange am Straßenrand stehen, bis wir in der Nacht verschwunden waren. Kurz nach dem Grenzübertritt in die Türkei sind wir in einem Restaurant von einem sehr freundlichen Gastwirt empfangen worden und eine türkische Restaurantbesucherin ist ohne langes drumherum reden als türkisch-englische Dolmetscherin zur Hilfe bereit gewesen. Beim Verlassen von Istanbul sind wir in einem kleinen Imbiss auf gastfreundliche Besitzer gestoßen, mit denen wir uns nur mit Händen und Füssen verständigen konnten. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen, das Essen war hervorragend und zum Abschied haben sie uns ebenfalls noch lange nachgewunken.

Als kurz nach Gürün bei Dunkelheit und schlechtem Wetter das Relais der Lichtmaschine unserer S-Klasse versagte, waren wenige Minuten später aus dem dunklen die Glockenstupfer zur Stelle und halfen uns das Problem zu lösen. Sie wurden unsere Wegbegleiter, ab und an auch wieder unsere Helfer, bis zum Ende der Rallye. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen und haben das türkische Leben dank George näher kennengelernt. Wir wurden im Stadion von Gaziantep von einigen Fanclubmitgliedern zu einem tollen Frühstück eingeladen und haben versucht zu erklären, warum diese Saison der VfB nicht so super spielt.

Die balkanesische Gastfreundlichkeit kannte ich schon früheren Besuchen und natürlich von Snezi´s Familie. Die Türkei hatte ich noch nie zu vor besucht. Umso überraschter war ich von weiten Teilen der Landschaft, der Gastfreundlichkeit und dem guten Essen.

All dies und noch vieles mehr macht diese Rallye so besonders für mich. All dies lässt die Strapazen und den Schlafmangel vergessen.

Und wer weiß, vielleicht werden wir in der Zukunft diese Rallye mal zu Ende fahren können…………

Über archorient

Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
Dieser Beitrag wurde unter Abenteuer, Allgäu Orient, Auto, Kfz, Rallye, Reise, Türkei veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s