12./13. und 14. Rallyetag (11./12./13.05.2011): Zwei weitere Tage auf See und ein unerwartetes Ende der Rallye Allgäu-Orient 2011


Heute vormittag gibt es nicht viel zu berichten. Der Ablauf eines Tages mit uns auf der Fähre: Frühstück, Herumlümmeln, Ratschen mit unseren neuen Freunden, den Glockenstupfern; Bernd, Erwin und Uwe reparieren das Auto von Tobias und Werner: der Auspuff wird weiter abgeschraubt und mit Metallstangen das Innere des Kats zerschlagen und entfernt. Zwischendurch wird immer wieder der Motor angelassen und das Gaspedal durchgetreten: klasse Sound kommt da jetzt raus; Essen, noch mehr Ratschen, Blick auf das Mittelmeer, Sonnenuntergang.

arch-orient diskutiert die weitere Route. So wie es aussieht, werden wir die Rallye wohl noch komplett durchziehen können, Insha’allah, und nicht abbrechen, wie wir es angedacht haben. Kurze Nachricht von Nicole: Sie und Werner’s Familie sind wohlbehalten in Jordanien angekommen und das Camp ist „megageil“.

In der Nacht dann die Hiobsbotschaft: Wir dürfen nicht nach Ägypten einreisen. Zunächst ist unklar, warum. Das OK setzt alle Hebel in Bewegung, um doch noch die Einreisegenehmigung zu bekommen. In einer weiteren Durchsage von Wilfred erfahren wir, dass der deutsche und der türkische Botschafter in Verhandlungen mit den ägyptischen Behörden stehen. Dann, kurze Zeit später kommt die endgültige Aussage: Wir bekommen definitiv keine Einreisegenehmigung und müssen, 20 Seemeilen vor der Grenze beidrehen und wieder nach Mersin zurückfahren. Uns ist jetzt klar, dass die Rallye Allgäu-Orient 2011 mit Ankunft in Mersin ihren Schlusspunkt finden wird. Wir sind sehr enttäuscht: darueber, dass die Rallye jetzt vorbei ist, darüber, dass wir die Autos nicht mehr nach Jordanien bringen werden, so wie wir es uns auch vorgestellt hatten und wohin sie eigentlich auch hin sollten. Über die Buschtrommeln hören wir, dass die Lage auf dem Sinai sich dramatisch verschlechtert hat; Menschen demonstrieren, es gibt einen Anschlag auf die Ölpipeline und Kirchen sollen brennen. Da wir kein Netz und somit keinen Handyempfang haben, können wir mit der Außenwelt nicht in Kontakt treten. Die Kommunikation zwischen dem OK und den Botschaftern findet ueber den Reeder statt. Wenigstens erfahren wir, dass auf der Homepage des OK eine Meldung über unsere Lage abgesetzt werden konnte. Da die Rallyeteilnehmer nicht auf diese Situation eingestellt sind, entsteht Unruhe angesichts der Versorgung von zumindestens Trinkwasser gefolgt von Lebensmitteln. Immerhin sind das weitere 36 Stunden auf See. In dieser Lage bekommen wir unerwartete und sehr nette Hilfe: die Mannschaft der Fähre lässt uns ausrichten, dass sie ihre Vorräte mit uns teilen wird. Dies wird schon zum Frühstück am nächsten Tag großzügig umgesetzt. Dass die Fähre schon lange Jahre auf dem Buckel hatte, so wie es uns Markus und George erzählten, sah man ihr auch an. Die Schiffsplanken waren abgenutzt, die sanitären Räumlichkeiten in einem dem Alter entsprechenden Zustand gleichwohl sie zu Anfang unserer Reise noch gut funktionierten. Unangenehm wurde es erst, als wir beidrehen mussten und es kein Wasser mehr gab: weder in den Wasserhähnen noch auf der Toilette. Da hiess es, improvisieren, was das Zeug hält. Auch der Muell der 4 Tage fand seinen Platz auf dem Parkdeck.

Der 14. Rallyetag ist geprägt von kollektiver Seekrankheit, da wir sehr unruhigen Wellengang haben. Zeitweise schwankt die Fähre so sehr, dass man beim Senken im hinteren Bereich über die Reling schon die Wasseroberfläche sehen kann. Vielen Rallyeteilnehmern ist stärker oder schwächer übel oder sie müssen erbrechen. Leider blieben einige unserer Jungs davon nicht verschont. Etwas Abhilfe konnten glücklicherweise Tabletten gegen ebendiese schaffen, die die Crew an die Passagiere verteilte. Gegen Abend wurde die Situation dann glücklicherweise auch bei unseren Jungs wieder stabiler. Unsere Verpflegung am heutigen Tag war unter den gegebenen Umständen richtig lecker: Frühstück bestehend aus Brot, Oliven und Käse, Pasta zum Mittagessen und Reis und gegrilltes Hühnchen zum Abendessen. Bei dieser Gelegenheit hatten wir auch unser Dosenfutter aufgebraucht. Am Abend dann Lagebesprechung mit dem OK und den Teamleitern. Tobias überbringt uns das Neuste, was aber tatsächlich nichts Neues ist. Das Wichtigste für uns jetzt ist es, eine Möglichkeit zu finden, nach Amman zu kommen. Es sieht danach aus, als ob von Adana, einem kleinen Flughafen bei Mersin, diese Möglichkeit besteht. Aber es ist noch nicht offiziell. Wir erfahren weiterhin, dass das OK eine Abschlussveranstaltung geplant hat, die in Mitteldeutschland stattfinden soll, um die Rallye offiziell zu beenden. Unser Roadbook indes müssen wir morgen beim Verlassen der Fähre abgeben.

Unsere Freunde, die Glockenstupfer, werden mit dem Auto wieder in die Heimat zurückfahren. Es ist Nacht, ca. 23:00 Uhr; es sind nicht viele Sterne am Himmel zu sehen. Obwohl es Nacht ist, ist es nicht all zu kalt und es weht eine milde Brise. Es riecht nach Diesel. Die Maschinen arbeiten und wir spüren unter uns, wie sich die Fähre ihren Weg durch das Wasser pflügt. Zum letzten Mal auf dieser Reise richten wir unseren Schlafplatz im Auto her. Mit dieser Momentaufnahme beenden wir den vorletzten offiziellen Rallyetag.


Über archorient

Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
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4 Antworten zu 12./13. und 14. Rallyetag (11./12./13.05.2011): Zwei weitere Tage auf See und ein unerwartetes Ende der Rallye Allgäu-Orient 2011

  1. T. schreibt:

    Schön von Euch zu hören, dass es Euch gut geht… und schön, dass Ihr Amman erreicht habt – super!

    ohje, Auto gebrannt … Ihr lasst wohl auch nichts aus, mensch Tobi 🙂

    Wir freuen uns schon auf Eure Rückkehr und die vielen Annekdoten.

    Viele Grüsse
    Tanja

  2. Gudrun Blinten schreibt:

    Hallo archorient – team,
    leider konntet ihr mit den Autos nicht nach Amman fahren. Aber die Situation im Sinai ist nicht ohne. So endete die Rallye in der Türkei. Eine „Kreuzfahrt“ war ungeplant mit von der Partie.
    Heute erreichten mich eure Bloggs vom 9/10/11/12/13 Rallyetag. Nun bin ich wieder auf dem Laufenden.
    Fliegt ihr noch nach Amman ? Ich hoffe, dass ihr noch zu eurer Jordanienrundreise kommt.
    Grüße Gudrun

    • arch-orient schreibt:

      Wir sind noch in Jordanien und sind am Wochenende wieder zurueck in der Heimat.

      Wir geniessen die Tage in Jordanien bei warmen Wetter und schauen uns im Land und in Amman um.

  3. Onkel Michael der Blinten schreibt:

    Schade das die Rallye so abrupt endete. Aber eure Leistung überhaupt bis dahin zu kommen, Respekt.
    Geniesst eure Tage in Jordanien und kommt heil nach Hause.
    Schöne Sideseeing und guten Rückflug, es hat immer Spaß gemacht euer Tagebuch zu lesen.
    Gruß an alle
    Michael Blinten

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