7. Rallyetag (06.05.2011): Die Weiten Anatoliens und Panne behoben, den Glockenstupfern sei Dank!

Wie herrlich doch ein Morgen sein kann, wenn man frisch geduscht hat! Die vier Hotelbesucher trafen sich beim Frühstück und tauschten ihre Duscherlebnisse aus. Dabei erzählten Tobias und Werner, dass ihres teilweise leider getrübt war: Der Klassiker. Während Tobias noch Wasser hatte, versiegte es bei Werner. Der spät am Abend herbeigerufene Techniker konnte nichts ausrichten; Werner indes, zu müde, um noch an den Reparaturtätigkeiten teilzunehmen, legte sich schlafen. Am Morgen gab man Werner dann ein anderes Zimmer, so dass er auch noch in den Genuss herabprasselnden Wassers kommen konnte. Froh, dass jeder sich waschen konnte, brachen wir zu unserem restlichen Team ins Hippodrom auf. Am Vorabend hatte uns Marli vom OK einen Leitfaden zum weiteren Verlauf in die Hand gedrückt. Unsere Route würde tatsächlich über türkisch-Zypern und Israel nach Jordanien über den Fährweg führen. Dies bedeutete für die Teilnehmer, dass jeder 330 Euro organisieren musste, denn der Fährpreis musste vor Ort entrichtet werden. Glücklicherweise nahm das OK auch türkische Lira. Insofern organisieren Urs, Snezi und Werner kurzerhand an diesem Morgen das Geld, während die anderen Teammitglieder vor Ort blieben, um dem anwesenden Assistenten des Ministers das vorbereitete Grußschreiben des Bürgermeisters der Heimatstadt sowie ein Gastgeschenk zu überreichen und dieses fotografisch festzuhalten. Wilfried gab uns noch weitere Informationen hinsichtlich der heutigen Route und der Route nach Mersin, wo wir auf die Fähre gehen würden, um nach türkisch-Zypern zu kommen. Wir parkten unsere Fahrzeuge um und stellten diese in einer Reihe auf. Dann mussten sich die Teams etwa 20 m vor den geparkten Autos aufstellen, die Würdenträger zählten von 10 rückwärts und bei 0 rannten die Teilnehmer los. Wir drehten eine Ehrenrunde im Hippodrom und dann ging es wieder auf die Piste. Kurz nach Ankara hielten wir an einem kleinen Imbiss an einer Tankstelle. Zuerst bestellten wir Tee, dann kam noch eine Salatplatte hinzu und schließlich orderten wir Gözleme, eine Art blättriger Pfannenkuchen mit  Käsefüllung. Da die Tankstelle über W-Lan verfügte, versuchten wir einen Blog abzusetzen. Leider ohne Erfolg. Völlig ratlos und unter Druck, weil wir mit aktuellen Nachrichten im Rückstand waren, sprachen wir die Oriental Proms an, die ebenfalls den Imbiss angesteuert hatten und baten um ihre Hilfe. Spontan setzte sich ihr Blogger zu uns und ermöglichte uns schließlich über ihren mobilen Stick zum Surfen wenigstens eine Nachricht online zu stellen: arch-orient sagt DANKE an die Proms für ihre Hilfsbereitschaft. Anschließend fuhren wir weiter in Richtung Kayseri. Dabei kamen wir durch die Weiten Anatoliens. Wir wussten eigentlich nichts über diese Gegend. Umso überraschter waren wir von der rauen Schönheit, die uns umgab. Kahle Berghänge wechselten sich ab mit einem Bewuchs von kurzem Gestrüpp bis hin zu kurzen, saftiggrünen Büschen. Die Grundfarbe der Landschaft war dunkelbraun bis grau, dann wieder saftig grün, immer im Wechsel. Auf den höhergelegenen Bergen lag in den Bergspitzen noch Schnee, ein Zeichen dafür, dass wir relativ hoch waren. Dafür sprach auch die klare, kalte Luft die uns empfing als wir ausstiegen, um Fotos zu machen. Doch was uns am meisten faszinierte war diese unglaubliche Weite, in die wir hineinfuhren. Die Menschen hier führen ein hartes Leben, denn es gibt so gut wie keine Infrastruktur in den Bergregionen. Während in den Ausläufern noch Ackerbau betrieben wird, sahen wir in den höheren Lagen die Menschen beim Schafe- oder Ziegenhüten, dann kam wieder sehr lange Zeit nichts. Es machte Spaß, auf den relativ guten Pisten zu fahren. und dann und wann überholten uns andere Teams. Unser Tagesziel war Malatya. Wir waren guter Dinge, die Stadt am Abend zu erreichen, was eine Übernachtung im Hotel mit Dusche versprach. Wir machten wieder einen Fotostop, Markus und Robert fuhren als Erste rechts ran. Nachdem wir die Bilder hatten und alle anderen Teammitglieder schon wieder in den Autos saßen ging Markus auf das Auto zu, schaute kurz, dreht sich zu uns um und sagte nur ein Wort: Platten! Wir stiegen aus um uns den Schaden anzusehen und sahen auch sogleich die Ursache: ein einzelner, niedriger abgebrochener Metallpfosten, der aus der Schotterpiste ragte und über den Markus beim ranfahren gefahren war. Es half nichts, wir mussten auf eine gerade Strecke kommen um den Reifen zu wechseln. Zum Glück hatten wir einen Ersatzreifen dabei. Wir rollten abwärts und fanden einen guten Platz. Die Jungs packten alles aus, was wir an Werkzeug dabeihatten und Markus machte sich an die Arbeit. In kurzer Zeit war unter frozzeln und einer Menge ironischer Bemerkungen der Reifen gewechselt und wir konnten unsere Reise fortsetzen. So langsam bekamen die Jungs Routine im Umgang mit den alten Fahrzeugen. Hin und wieder mussten wir rechts ranfahren, weil unsere Autos komische Geräusche machten, aber es war nichts Ernstes, so dass wir zügig weiterkamen. Auf unserer ganzen Fahrt bis dahin und während der Reifenpanne kamen zwar immer wieder andere Autos vorbei. Aber was wäre, wenn wir richtig liegen bleiben würden und ohne fremde Hilfe nicht weiterkämen? Wir standen in einer unwirtlichen Gegend und keiner konnte wissen, wann das nächste Auto kommen würde. Es wurde Nacht und es regnete. An einem Berghang, vor der Kuppe, verabschiedete sich zunächst das ABS in Urs’ Auto. Dann folgte der Ausfall der Außenbeleuchtung, der Armaturenbeleuchtung und schließlich ging das Auto komplett aus. Urs sagte nur: tot. Da ging nichts mehr. Es half nichts: Auto parken, Warnblinklicht an, Motorhaube hoch und versuchen, die Ursache herauszufinden. Ratlosigkeit im Team. Was ist es und was tun? Keine fünf Minuten später kam wie aus dem Nichts das Glockenstupfer Racing Team an uns vorbei. Sie erkannten sofort, dass wir eine Notsituation hatten und hielten. Ein weiteres Team fuhr noch vorbei, doch als klar war, dass uns die Glockenstupfer helfen würden, fuhren sie weiter. Wir erlebten zum ersten Mal die vorbehaltlose Hilfsbereitschaft unter Rallyeteilnehmern. Sämtliche Mitglieder der Glockenstupfer versammelten sich vor unserer Motorhaube und mit kundigem Blick war die Ursache schnell gefunden: die Kohlen des Reglers der Lichtmaschine waren hinüber. Da sie einige Ersatzteile mitführten schauten sie, ob sie einen gleichen Regler mithatten. Leider passte dieser nicht, so dass sie unseren Regler notdürftig versorgten, wieder einbauten und uns rieten, im nächsten Ort nach dem passenden Ersatzteil zu suchen. Wir bedankten uns herzlich für ihre spontane Hilfe. Da sie auch Malatya als Ziel hatten, beschlossen wir, ihnen im Konvoi hinterherzufahren und stellten Funkverbindung her. Auf dem Weg dorthin ging dann noch der Wagen von Tobias und Werner aus; ebenfalls die Kohlen des Reglers der Lichtmaschine. Glücklicherweise sprang der Wagen wieder an, so dass wir unseren Weg fortsetzen konnten. In Malatya angekommen machten sie uns ein sehr nettes Angebot: ihr Teammitglied George, der türkisch sprach, würde für uns alle aufgrund seiner Sprach- und Landeskenntnisse eine Unterkunft und ein landestypisches Abendessen organisieren. Wir nahmen dieses Angebot von Herzen gerne an und landeten schließlich zu einem guten Preis in einem 4-Sterne-Hotel. Dort checkten wir ein und machten uns gegen 23:00 auf den Weg. Dank George bekamen wir die Möglichkeit, in einem Lokal zu essen, in das wir wohl sonst von allein nicht reingegangen wären. Es waren nur Einheimische dort. Das Lokal schloss zwar um 01:00, aber für uns wurde eine Ausnahme gemacht. George bestellte für uns alle eine kleine Auswahl an landestypischen Gerichten bestehend aus Vorspeisen, Salat und mit einem Hauptgang, der auf kleinen, mit einem Gaskocher betriebenen Stövchen serviert wurde. Mit Raki stießen wir an und erlebten kurzweilige und sehr interessante Stunden im Gespräch mit unseren Helfern. Gegen 01:30 Aufbruch zum Hotel. Dort angekommen machte George Urs den Vorschlag, in der Frühe mit ihm zusammen das Ersatzteil zu besorgen. Wir waren sehr froh, dass die Glockenstupfer uns geholfen haben und dass wir mit ihnen diesen schönen Abend verbringen konnten. Wir waren auch sehr froh darüber, dass George uns mit dem Ersatzteil helfen wollte, denn uns war klar, dass seine Hilfe für uns eine große Hilfe war. Gegen 03:00 fielen wir todmüde ins Bett.

Über archorient

Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
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