4. Rallyetag (03.05.2011): Ein Tag bei Mercedes Benz und eine Metropole bei Nacht

Nach einer kurzen Nachtruhe führte uns unser Weg an diesem Morgen als Erstes zur Mercedes Benz Niederlassung, und wir hatten uns für diesen Besuch extra in unsere anthrazitfarbenen Polohemden gekleidet, an denen groß und deutlich der Mercedes Stern aufgedruckt war. Vor dem Eingang trafen wir den Sales Manager Marketing und PR. Wir schilderten ihm unser Anliegen, dass wir eine Aufgabe zu erledigen hätten und dafür seine Hilfe benötigten. Außerdem müsste eines der Autos dringend repariert werden. Er war auf Anhieb sehr interessiert und gleich hilfsbereit. Wir bekamen unseren Stempel für das Roadbook und er führte uns in das betriebseigene Cafè, wo er uns Kaffee und Getränke anbot, da die Reparatur einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Er setzte sich einige Minuten zu uns, erkundigte sich nach der Rallye und zeigte sich sehr interessiert hinsichtlich des Alters unserer Fahrzeuge. Dann wurden die Aufgaben aufgeteilt: Urs und Tobias übernahmen es, sich mit dem Werkstattmeister um die Reparatur des 300 TE zu kümmern. Snezi bloggte. Markus organisierte Text und Lied des türkischen Fußballklubs Fenerbahce, der als eine weitere Aufgabe in unserem Roadbook stand. Sämtliche anderen elektrischen Geräte wie Telefone, Camcorder und Fotokameras wurden per Verlängerungskabel aufgeladen. Nachdem der Werkstattmeister instruiert war, gingen Werner und Tobias los um unser technisches Equipment zu erweitern.  Einige Teammitglieder nutzten die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Nach dieser Nacht, die für uns sehr anstrengend gewesen war, waren wir gar nicht so unglücklich darüber als die Nachricht aus der Werkstatt kam, dass die Reparatur noch eine Weile dauern würde. Um 16 Uhr dann kam die Nachricht, dass unser 300er TE fertig war. Wir packten zusammen und versammelten uns im Werkstatthof. Als der Meister den 300er auf den Hof fuhr und der hintere Teil des Wagens wieder auf Normalhöhe war, war der Jubel groß. Ebenso groß war unser Staunen darüber, dass die komplette Reparatur, bei der sogar noch Ersatzteile organisiert werden mussten, insgesamt nur etwa 130 Euro gekostet hat. Keine Frage, das wäre in Deutschland in einer offiziellen Vertragswerkstatt nicht möglich gewesen. Markus und Robert nahmen Platz und fuhren das Auto aus dem Hof.  Kleine Bemerkung am Rande, die beim Werkstatteam für Lacher sorgte und bei der wir uns nicht unbedingt als die Cracks geoutet haben: Wir hatten beim Meister auslaufendes Öl aus dem hinteren Teil des 300er angesprochen. Seine Mitarbeiter hatten alles auf den Kopf gestellt, aber nichts gefunden. Bis schließlich einer die Seitenklappe des Ersatzradkastens  öffnete und feststellte, dass der Deckel des darin liegenden Ölkanisters offen war. … Kein Kommentar ! Unser Ziel, Istanbul am Abend zu erreichen, war zwar nicht mehr möglich, aber wir hatten wieder ein bisschen Kraft getankt und machten uns auf den Weg Richtung Burgas, über das wir die türkische Grenze erreichen wollten. Auf der Strecke zwischen Varna und Burgas fuhren wir über schöne Bergstraßen. Dauerregen war dabei unser Begleiter und als wir durch die Städte kamen, fuhren wir über mindestens knöcheltiefe Wasserlachen, was sehr abenteuerlich war, denn oft warfen entgegenkommende Autos soviel Wassermassen auf, die dann auf unserer Windschutzscheibe landeten, so dass wir kurzzeitig nichts sehen konnten. Je näher wir der türkischen Grenze kamen trafen wir auf unserem Weg auch wieder die anderen Teams. Spät am Abend dann Grenzübertritt. Aus unerfindlichen Gründen ging das Auto von Urs und Snezi im Niemandsland zwischen Bulgarien und der Türkei aus; es ließ sich auch nicht mehr starten, und wir mussten es schieben, damit wir den Einreiseverkehr nicht aufhielten. Da wir die Beamten nicht verärgern wollten, stellte sich eine gewisse Hektik ein. Zum Glück waren Tobias und Werner hinter uns und kamen uns gleich zu Hilfe. Werner entdeckte einen Wackelkontakt an der Batterie und konnte dies beheben. Der Wagen sprang wieder an und wir fuhren weiter. Als alle Zollformalitäten erledigt waren, konnten wir einreisen. Wir waren nun in der Türkei. Auf guten Straßen fuhren wir im zügigen Tempo nach Istanbul. Zum Abendessen legten wir eine kurze Rast ein und erfuhren in dem Lokal auch gleich die herzliche Gastfreundlichkeit der Einheimischen. Da wir uns auf türkisch nicht verständigen konnten übernahm kurzerhand eine nette Frau, die selbst Gast in diesem Lokal war und englisch sprach, das Dolmetschen. Sie empfahl uns sogar eine Auswahl an Gerichten, und so saßen wir am Tisch und entspannten und genossen die regionale türkische Küche, bestehend aus Joghurt, Käse, verschiedenem gegrillten Fleisch und Salaten. Nach einem türkischen Mokka zum Abschluss brachen wir wieder auf, bedankten uns bei unserer Dolmetscherin und unserem Gastgeber. Es war spät in der Nacht, gegen halb 5, als uns unsere Lotsen Markus und Robert nach Istanbul brachten. Auf dem Weg und der Suche nach dem richtigen Stadtteil bekamen wir eine Ahnung davon, wie unglaublich weitläufig und pulsierend Istanbul als Stadt ist, denn egal, wohin wir fuhren, Istanbul nahm kein Ende. Gegen 05:00 erreichten wir müde und glücklich das Fahrerlager. Es erwartete uns eine atemberaubende Kulisse, denn wann hat man schon die Möglichkeit, vor der wunderschönen, einzigartigen blauen Moschee das Nachtlager aufzubauen? Die Spannung fiel von uns ab, und wir freuten uns sehr, es nach vielen Strapazen geschafft zu haben, in dieser faszinierenden Stadt angekommen zu sein und  andere angekommene Teams zu begrüßen. Robert beschloss, in ein nahes Hostel zu gehen, was ein Bett und eine Dusche versprach. Die anderen richteten sich im Auto den Schlafplatz ein, und mit dem Ruf des Muezzins zum ersten Gebet beendeten wir unseren Tag.

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Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
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