3. Rallyetag (02.05.2011): Einmal durchschütteln bitte!

Unsere zweite Nacht im Freien – wir fanden allmählich Gefallen daran, in der Natur zu nächtigen. Besonders wenn man mit einem wunderschönen Blick auf die Donau in den Morgen starten kann. Die Handgriffe, mit denen wir unser Lager abbrachen und uns zum Morgenkaffee versammelten wurden allmählich flüssiger. Werner und Markus prüften den Ölstand der Hydraulik und es wurde klar, dass wir dringend welches benötigten. Urs und Snezi fuhren ein Stück zurück zu der letzten Tankstelle und besorgen das Öl. Unterwegs dorthin begegnete uns das Team 17 mit ihren Autos. Wieder zurück am Lager sahen wir die Kollegen bei unserem Team stehen. Kurz tauschten wir uns aus, dann fuhren sie weiter und wir machten uns bereit und starteten in eine neue Tagesetappe. Diese führte uns durch das Donautal, das sich in all seiner Schönheit vor uns ausbreitete. Bewaldete Hänge umrahmten den tiefblauen Flussverlauf, der auch als das Eiserne Tor bekannt ist. Die Jungs hatten beim Fahren viel Spaß, denn die Pisten waren teilweise nicht asphaltiert und voller Schlaglöcher. Unsere Reise hatte nun Rallyecharakter angenommen. Doch auch die Schönheit des Tales ging an ihnen nicht vorüber. Wir fuhren in Richtung rumänisch/bulgarische Grenze, zum Ort namens Calafat; von dort wollten wir über eine Brücke, die im Jahr 2010 fertiggestellt sein sollte, nach Vidim, der Grenzstadt in Bulgarien. Vor Ort stellten wir fest, dass es die Brücke noch nicht gab, weswegen wir weiter nach Ruse fahren mussten, um über die Grenze zu kommen, was wir auch taten. Unterwegs versuchten wir über verschiedene Kanäle einige Aufgaben zu lösen, die in unserem Roadbook standen. So z. B. einen Stempel von einer Vertragswerkstatt der Autos zu bekommen ,die wir fuhren. Wir hatten uns die Stadt Craiova ausgesucht, das war der nächstgrößere Ort. Allerdings war es schon spät am Nachmittag und wir hatten die leise Vermutung, dass die Niederlassung schon geschlossen hatte. Nach einigem Hin und Her fanden wir die Niederlassung. Sie hatte aber leider schon geschlossen, was uns sehr enttäuschte. Denn das bedeutete, dass wir die Aufgabe erst morgen in der nächstgrößeren Stadt in Angriff nehmen konnten, was wiederum eine ziemlich lange Strecke zu Fahren bedeutete, die wir so nicht eingeplant hatten, da wir am nächsten Tag am Abend in Istanbul sein wollten. Es wurde Abend und wir schauten zu, dass wir ein Abendessen organisiert bekamen. Stadt?? Eigentlich wollten wir essen gehen, aber wir fanden kein Lokal, das noch offen hatte. Aber wir fanden einen Pennymarkt, und entschieden, dass wir uns dort etwas zu Essen besorgen. Gedacht, getan, und so standen wir sechs auf dem Parkplatz um die Motorhaube versammelt, auf der wir unsere Einkäufe ausgebreitet hatten. Für die Passanten müssen wir ein seltsames Bild abgegeben haben. Doch wir hatten unseren Spaß dabei und besonders lachen mussten wir, als Markus unser Abendessen als „Motorhaubenjause“ betitelte. Nach dem Essen fuhren wir wieder weiter in die Nacht, über Pisten mit Schlaglöchern, wo man teilweise nicht mehr als 30/40 km/h fahren konnte. Diese Nachtfahrten strengten auch deshalb an, weil man auch mitten in der Nacht mit Menschen, Pferdefuhrwerken und streunenden Hunden auf der Straße rechnen musste. Einmal kam uns sogar ein einzelnes Pferd entgegengelaufen. Ob dieser für uns nicht nachvollziehbaren Verhaltensweisen konnten wir manchmal nur noch den Kopf schütteln. Kurz kam noch einmal gute Laune auf, als Urs mit Markus den Fahrersitz tauschte. Der 300er TE, den Markus und Robert fuhren, sah sehr lustig aus, wie er mit dem hochgeschnellten Hinterteil über die unebenen Pisten rumpelte. Robert und Markus hatten uns zwar erzählt wie es sich anfühlt, wenn die Federung eines Autos nicht mehr funktioniert. Aber wir konnten es ihnen erst nachfühlen, als wir selbst im Auto saßen. Das war für uns dann die erste Viertelstunde lustig, aber irgendwann ist der Spaß dann auch vorbei wenn man das Gefühl hat, jedes Organ im Körper springt aus seiner gewohnten Position heraus, wie es Robert einmal geschildert hatte. Nachdem auch Tobias und Werner das Fahren im 300er TE ausprobiert hatten, diskutierten wir darüber, dass wir morgen, wenn wir in der Mercedes Benz Vertragswerkstatt sind, diesen Defekt reparieren lassen wollten. Solches Fahren wollten wir Markus und Robert für die restlichen 4000 km nicht zumuten. Wir überquerten in Ruse die Grenze, und waren in Bulgarien. Die restlichen 150 km (ca.) fuhren wir durch bis Varna. Dort kamen wir gegen 05:30 an und beschlossen, das erste Mal auf unserer Reise direkt in einer Stadt in den Autos zu nächtigen. Wir waren alle sehr erschöpft und schliefen gleich ein.

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Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
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Eine Antwort zu 3. Rallyetag (02.05.2011): Einmal durchschütteln bitte!

  1. Gudrun Blinten schreibt:

    Hallo ihr Sechs, nach der ersten Nacht im Auto fahrt ihr nun auf Instanbul zu. Bleibt weiterhin gut gelaunt, genießt die Landschaft, die Menschen und die Autowerstätten.
    Gruß Gudrun

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