2. Rallyetag (01.05.2011): Ein Tag und eine Nacht voller Überraschungen

Die Nacht verlief gut und wir waren froh, Schlafsäcke, Isomatten und Zelte dabei zu haben. Zum Frühstück gab es wundervoll duftenden und wohlschmeckenden Kaffee, den Markus zubereitete. Gestärkt und gut gelaunt brachen wir auf und fuhrten Richtung Grenze Slowenien/Kroatien. Ein Stop in Varazdin dauerte länger als geplant, so dass wir eine ziemliche Zeitverzögerung hatten. Ohne größere Probleme durchquerten wir Kroatien, fuhren an Orten wie Osijek und Vukovar vorbei, wo man die Spuren des Bürgerkrieges noch immer sehen kann in Form von zerschossenen Häusern. Schließlich erreichten wir die kroatische Grenze. Im Niemandsland zwischen kroatischer und serbischer Grenze machten wir das geforderte Foto vom Grenzübergang, als uns ein Autofahrer zu sich winkte. Wir dachten schon, dass es Ärger gibt. Dann aber erzählte er uns, dass vor 2 Jahren ein Rallyeteam in Tovornik, dem Dorf wo er lebte, mit 4 Autos vorbeigekommen ist und einen Unfall hatte. 2 Autos waren Schrott und das Team hatte ihm diese vermacht. Wir waren entzückt darüber, dass wir mitten auf dem Balkan eine solche Geschichte hörten und freuten uns. Dann Einreise nach Serbien. Unterwegs entschieden wir, nach Belgrad reinzufahren und im Fragezeichen, einem der ältesten Lokale in Belgrad, zu Abend zu essen. Dort angekommen und die Autos vor dem Lokal geparkt erregten wir wieder viel Aufsehen. Die Kellner im Fragezeichen waren begeistert, genauso wie Viele, die wir auf unserer Fahrt getroffen hatten und die begeistert darüber waren, diese alten Schlitten zu sehen und uns alles Gute für die Reise wünschten. Es gab ein sehr gutes typisch serbisches Abendessen. Gegen 22 Uhr brachen wir wieder auf, Richtung Smederevo und Rumänien. Auf der Fahrt raus aus Belgrad funkte Tobias, dass sich das Hinterteil unseres 300 TE erhöht hatte. An einer Tankstelle sahen wir uns das Auto an, lachten herzlich darüber und scherzten, dass Markus‘ und Roberts‘ Auto ein attraktives, sexy Hinterteil habe. Wir vermuteten, dass es irgendetwas mit der Pneumatik zu tun hatte. Ein Telefonat mit den Autodoktoren ergab, dass es keinen Anlass zur Sorge gäbe. Wir fuhren weiter in die Nacht hinein. In Smederevo angekommen suchten wir den Weg nach Kovin, der auf dem Weg zur Grenze lag. Wir hielten an einer Ampel, um uns die Straßen menschenleer bis auf ein Polizeiauto, das neben uns stand. Wir mussten wohl einen suchenden Eindruck gemacht haben, denn die Polizisten stiegen aus und fragen, ob sie uns helfen könnten. Wir schilderten ihnen kurz unser Anliegen und spontan boten sie uns an, uns bis zur Brücke vorauszufahren. Dieses Angebot nahmen wir sehr gerne an. Dort angekommen verabschiedeten wir uns herzlich von den Polizisten und bedankten uns; sie verabschiedeten uns und wünschten uns eine gute Reise. Wir fuhren weiter und kamen durch das serbische Dorf Kovin durch. Plötzlich hielten wir an, weil von dem 300er TE ein verdächtiger Geruch ausging. Vor einer Häusereinfahrt, wie sie auf dem Balkan auf dem Land üblich ist, hielten wir und schauten in den Motorraum. Wir stellten fest, dass der Schlauch für das Hydrauliköl ein Loch hatte. Werner und Markus versuchten, mit Panzertape das Loch abzudichten, was ihnen aber nicht gelang. Schließlich telefonierte Markus mit dem Notdienst von Mercedes Benz und schilderte dort unser Problem. Da Öl austrat wollten wir nicht weiterfahren, da wir nicht wussten, wie sich das sonst auswirken würde. Das restliche Team stand beisammen und diskutierte. Es war ca. 1 Uhr nachts und es kamen zwar vereinzelt Autos vorbei, aber niemand hielt, um uns zu helfen. Wir unterhielten uns und meinten, dass das jetzt eigentlich die Situation für einen Helden sein müsste. Der Held ist eine Sonderaufgabe des OK: von einem Menschen, der uns auf der Fahrt geholfen hat ein Foto mit unseren Steinen (die wir gesammelt haben) machen; das Bild kommt in eine Rahmen und findet seinen Platz in der Käserei in Jordanien. Und tatsächlich, es kam ein Auto auf uns zu und der Fahrer machte klar, dass er in die Einfahrt wollte, weil er dort wohnt. Als sein Wagen parkte kam er zu uns und fragte, ob er helfen könne. Er sprach kein Deutsch, so dolmetschte Snezi für das Team. Kurz war unklar, wie sich das Team verhalten wollte; Hilfe annehmen oder auf Markus warten. Schließlich ergab es sich, dass wir die Hilfe annahmen und auch Markus mit seinen Informationen zum Zuge kam. Das Problem wurde geschildert und unser Unbekannter verstand sofort, um was es ging. An seiner Jacke konnten wir sehen, dass er etwas mit Autos zu tun hatte. Er ging ins Haus und kam mit professionellem Equipment wieder. Er nahm sich des Lochs im Schlauch an und reparierte es nach kurzer Zeit  zu unserer großen Freude. Wie es sich dann herausstellte, war er Mechanikermeister. Wir erzählten ihm von unserer Rallye und dass er jetzt unser Held sei und wir ein Foto mit ihm machen müssten. Wir sagten ihm auch, wo es einen Platz finden würde. Er hatte nichts dagegen; im Gegenteil er kam noch mit Slivovic aus dem Haus und obwohl es schon viertel vor 3 war, war er sehr gastfreundlich und hilfsbereit, schenkte uns das Reinigungsspray und einen Lappen.  Von uns bekam er als Dankeschön ein Schäffler Bier. Unter vielen Dankesbekundungen und Winken brachen wir auf. In Rumänien angekommen schlugen wir um halb 5 unser Nachtlager in Sichtweite der Donau auf. Wir fielen todmüde ins Bett bzw. den Schlafsack.

ps: die Konstruktion hielt und es war uns dadurch möglich, weiterzufahren. DANKE Nenad, dass Du uns geholfen hast!!




Über archorient

Team 22 Allgäu-Orient-Rallye 2011
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Eine Antwort zu 2. Rallyetag (01.05.2011): Ein Tag und eine Nacht voller Überraschungen

  1. Gottlieb Wezel schreibt:

    Hallo Arche-Orient Team,
    sind über Eure Berichte täglich bei der Ralley dabei, natürlich etwas entspanter wie Ihr! Wir wünschen Euch eine gute, pannenfreie und hautpsächlich unfallfreie Fahrt bis Amman.
    Sollte trotz allem doch etwas an den Autos „verrecken“, wünschen wir Euch immer einen Nenad in der Nähe.
    Weiter so, und haltet die Ohren steiff,
    die Eltern von Oliver Wezel.
    Gespannt erwarten wir den nächsten Bericht.

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